Lieben statt Liken: „Anti-Smartphone-Front“ kämpft gegen Handy-Wahn

Wo früher das öffentliche Leben spielte, herrscht heute oft Stille. Schuld ist das Smartphone. Es befreit von der Last, im Nahverkehr mit sonderlichen Sitznachbarn sprechen zu müssen. Immerhin sind die besten Freunde – bewährte Gesprächspartner – stets nur eine Wischbewegung entfernt. Warum ein «echtes» Lächeln erwidern, das richtig eingeordnet werden will, wenn es doch Dating-Apps gibt, die dem Zwischenmenschlichen die Interpretierbarkeit nehmen? Und wo die Ortskenntnis fehlt, helfen dank Smartphone Navigationsprogramme weiter: Nachfragen überflüssig.

Eine Gruppe aus Berlin will diesen Kulturwandel nicht länger hinnehmen. Es sei wichtiger, «mit seinen Freunden abzuhängen statt permanent mit seinem Smartphone beschäftigt zu sein», schreiben die Gründer der sogenannten Anti-Smartphone-Front auf ihrer Homepage, auch wenn ein Pamphlet auf Papier sicher stilechter wäre. In einem zehn Punkte umfassenden Manifest rufen sie zur Umkehr auf – mit Slogans wie: «Tanzen statt Twittern», «Emotion statt Emoticons» oder «Lieben statt Liken».

Bislang beschränkt sich die Gruppe auf Kneipentouren mit Ansprache von Smartphone-Nutzern und auf das Anbringen von Protestplakaten und Stickern. Ob es für einen Gegentrend ausreicht, ob die Menschen in Bus und Bahn sich bald wieder in die Augen schauen, bleibt abzuwarten.

Lieben statt Liken: „Anti-Smartphone-Front“ kämpft gegen Handy-Wahn
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